Moorleichen gehen auf Reisen
Sie sind die Stars der Gottorfer Archäologie: die Moorleichen. Benannt sind die zum Teil über 2000 Jahre alten und dank der idealen Bedingungen in Mooren überaus gut erhaltenen menschlichen Überreste nach den Orten ihres Auffindens – das Kind von Windeby, der Mann aus Damendorf, der Schädel von Osterby, der Haarschopf des Mannes von Dätgen. Nur wenige Tage nachdem Schloss Gottorf aufgrund umfassender Modernisierungsarbeiten geschlossen worden ist, verlassen die fünf Moorleichen nun in speziellen Klimakisten gesichert die Museumsinsel. Ab 8. Oktober 2025 sind sie im Silkeborg Museum (DK) in der Ausstellung Die Schläfer im Moor zu sehen.
Zurückkehren werden sie erst wieder, wenn die Arbeiten für das „neue“ Schloss Gottorf abgeschlossen sind. Solange – darauf haben sich der wissenschaftliche Vorstand der Landesmuseen, Dr. Thorsten Sadowsky und der Direktor des Museums für Archäologie Schloss Gottorf, Dr. Ralf Beile, verständigt – werden die Gottorfer Exponate im Museum in Silkeborg gezeigt. „Die mehrjährige Ausleihe nach Dänemark ist Teil unserer Strategie, die museale Zusammenarbeit mit unseren dänischen Nachbarn in den kommenden Jahren noch weiter zu intensivieren“, erläutert Stiftungsvorstand Dr. Thorsten Sadowsky.
Postwendend gibt es dafür viel Lob vom Bevollmächtigten des Ministerpräsidenten für die Zusammenarbeit mit Dänemark, Johannes Callsen: „Sowohl in den Sammlungen wie auch in den wissenschaftlichen Forschungen legen die Landesmuseen immer wieder einen besonderen Fokus auf Dänemark und den Ostseeraum. Nach der Ausleihe des Nydambootes 2003 an das Nationalmuseum Kopenhagen und der Ausstellung mit Werken des dänischen Malers und Bildhauers Jens Ferdinand Willumsen 2024/2025 ist die Ausleihe der Gottorfer Moorleichen nach Silkeborg ein weiterer Höhepunkt dieser kulturellen Kooperation zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark."
Im rund 200 Kilometer von Schleswig entfernten Silkeborg Museum bereitet Direktor Ole Nielsen anlässlich der spektakulären Auffindung des berühmten Tollund-Manns vor genau 75 Jahren eine neue Ausstellung vor. Die Gottorfer Moorleichen nehmen dabei eine zentrale Rolle in der Präsentation ein. „Es ist uns eine ausgesprochene Freude und eine große Ehre, dass der Tollund-Mann und die Elling-Frau ab Oktober vornehmen Besuch von den Moorleichen der Landesmuseen Schloss Gottorf bekommen. Es ist außergewöhnlich, dass die Moorleichen Schleswig verlassen, um an anderen Museen ausgestellt zu werden. Es handelt sich um einzigartige Schätze, und die Tatsache, dass man uns diese unersetzbaren Kostbarkeiten anvertraut, ist Ausdruck des großen Vertrauens und Wohlwollens zwischen unseren Museen und Ländern“, betont Ole Nielsen.
„Wir können uns keinen besseren Ort vorstellen als das Museum in Silkeborg, um unsere Moorleichen für die Zeit der Baumaßnahmen in Schleswig weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Silkeborg ist weit über die Grenzen Dänemarks hinaus berühmt für seinen Tollund-Mann, eine wirklich großartig erhaltene und erforschte Moorleiche. Unsere Moorleichen sind bei meinem Kollegen Ole Nielsen und seinem Team in den allerbesten Händen und werden in ein spannendes Ausstellungskonzept integriert“, schwärmt Archäologe Dr. Ralf Bleile.
Die Ausstellung in Silkeborg wird die weltweit größte Sammlung gut erhaltener Moorleichen umfassen, es werden auch Beispiele von Moorleichen gezeigt, die nur als Skelette vorhanden sind, weil sie in einem anderen Moortyp als den Hochmooren niedergelegt wurden, in denen sich Weichteile erhalten können.