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Neue Erkenntnisse zur frühesten Besiedlung Schleswig-Holsteins

Von Dr. Sönke Hartz

Projektpartner: Martin Segschneider (NIhK Wilhelmshaven) und Jaap Beuker (Museum Assen, NL)

Das Vorkommen sehr alter Steinartefakte nördlich der Elbe aus der vorletzten (Saale) oder der letzten (Weichsel) Eiszeit ist in der Forschung seit Anfang des 20. Jh. kontrovers diskutiert worden. Oberflächenfunden aus Geröllen und Feuerstein wurde teilweise ein sehr hohes Alter von mehreren 100.000 Jahren attestiert, und auch von den Steilkanten am Elbeufer und auf der Insel Sylt kamen zahlreiche „uralte“ Fundobjekte in das Museum für Archäologie Schloss Gottorf. Diese stellten sich allerdings bei kritischer Betrachtung immer als Naturstücke (Geofakte) heraus oder waren viel jüngeren Alters. Gleiches gilt auch für die vermeintlich altertümlichen Funde von der feuersteinreichen Ostseeküste, bei denen es sich um durch Wellenschlag abgerollte Artefakte aus der Jungsteinzeit handelt, die ein hohes Alter nur vortäuschen. 

Eine Zeit lang waren die Fundstücke aus der Kalksandsteingrube von Schalkholz die einzigen sicheren Besiedlungsspuren aus der letzten Eiszeit nördlich der Elbe. Aber schon seit den 1960er Jahren hatte ein Landwirt und Privatsammler bei Drelsdorf nördlich von Husum ein kleines Kontingent von Flintfunden zusammengetragen, die sich aufgrund ihrer ungewöhnlichen Oberflächenbeschaffenheit als mittelpaläolithische Artefakte aus der Zeit der Neandertaler entpuppten. Eine ungewöhnlich glänzende oder apfelsinenschalenförmige Oberfläche, starke Kantenverrundungen und Frostrisse entsprechen so gar nicht dem Bild von späteiszeitlichen oder nacheizeitlichen Artefakten.

Zur gleichen Zeit waren ganz ähnliche Stücke in der Provinz Drenthe in Nordholland aufgetaucht und so bot sich eine fachliche Zusammenarbeit mit den niederländischen Fachkollegen und Amateurforschern geradezu an. Seit 2015 sondiert daher eine Arbeitsgruppe von ca. 15 Personen bestehend aus niederländischen und deutschen Forschern und spezialisierten Amateursammlern die Äcker bei Drelsdorf. Und das mit gutem Erfolg, denn bislang wurden dort fast 40 neue Fundstücke aus der Zeit des Neandertalers zusammengetragen und kartiert. Es handelt sich um Abschläge, Klingen, Kernsteine und einige wenige Werkzeuge wie Schaber, die sich inzwischen ganz gut räumlich begrenzen lassen.

Ganz unzweifelhaft belegen die Fundstücke das Vordringen der Neandertaler bis in den Norden. Vermutlich waren sie dem Wild folgend auf der Suche nach geeigneten Jagdrevieren. Auf der Altmoräne bei Drelsdorf fanden sie so gute Bedingungen vor, dass sie dort eine Zeit lang rasteten. 

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