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Spektakuläre Funde für große Schau in Berlin

Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres gibt es bis zum 6. Januar 2019 in Berlin die Sonderausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin und der Verband der Landesarchäologen haben zu dieser Leistungsschau aus allen Teilen Deutschlands die spektakulärsten Funde aus den letzten 20 Jahren archäologischer Denkmalpflege und Forschung von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert zusammengetragen. Die Ausstellung beleuchtet in den Themenkomplexen Mobilität, Austausch, Konflikt und Innovationen die europäische Dimension unseres archäologischen Erbes.

Schleswig-Holsteins bewegte Zeiten sind vor dem Hintergrund seiner Lage zwischen Skandinavien und dem kontinentalen Europa sowie der Nord- und Ostsee zu verstehen. Wie kaum ein zweites Bundesland ist es Transitzone und Konfliktraum zugleich. Als Land zwischen den Meeren steht es aber ebenso für Austausch und Mobilität. Das archäologische Erbe des Landes spiegelt Wandel und Kontinuitäten kultureller Entwicklungen facettenreich und eindrucksvoll.

Museum für Archäologie stellt 379 Funde zusammen

379 Funde stellt das Museum für Archäologie Schloss Gottorf, das alle Schleswig-Holsteinischen landeseigenen Funde lagert, im Auftrag des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein für diese Sonderausstellung bereit. Ihre Auswahl resultiert aus der Aktualität der Auffindung, neuen Erkenntnissen oder außergewöhnlichen Fundgeschichten:

Die Bronzebecken aus Norderstapel beispielsweise wurden durch Mitglieder der Detektorgruppe Schleswig-Holsteins gefunden. Diese Gefäße der Bronzezeit belegen Austausch und Mobilität in der Zeit um 1000 vor Christus. Außerdem exemplifizieren sie die produktive Tätigkeit ehrenamtlicher Detektorgänger, die im „Schleswiger Modell“ legal nach archäologischen Funden suchen dürfen.

Im Gegensatz zu diesen Neufunden sind die Opfergaben aus dem Thorsberger Moor seit rund 150 Jahren bekannt und bis heute Ziel wissenschaftlicher Forschung. Zeitlich verteilen sie sich in die ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt. Ihre Existenz im Barbaricum belegt Austausch und Mobilität, aber auch militärische Konflikte mit dem Römischen Reich.

Galerie
Bronzebecken aus Norderstapel in restauriertem Zustand
Bronzebecken aus Norderstapel in restauriertem Zustand
Gesichtsmaske, Thorsberger Moor
Gesichtsmaske, Thorsberger Moor
Beigaben des reich ausgestatteten Grabes von Neudorf-Bornstein
Beigaben des reich ausgestatteten Grabes von Neudorf-Bornstein
Urnesfibeln des 11. Jahrhunderts aus Haithabu (links) und Schleswig  (rechts)
Urnesfibeln des 11. Jahrhunderts aus Haithabu (links) und Schleswig (rechts). Die Schleswiger Fibel wird in Berlin zu sehen sein.
Kanonenmunition, sogenannter Traubhagel, vom Wrack der "Prinzessan Hedvig Sofia"
Kanonenmunition, sogenannter Traubhagel, vom Wrack der „Prinzessan Hedvig Sofia“.

Außergewöhnliche Fundgeschichten, neue Erkenntnisse

Das Kammergrab von Neudorf-Bornstein gehört zu einer Gruppe reich ausgestatteter Gräber des 3. Jahrhunderts nach Christus, die mit ihren Grabbeigaben überregionale Kontakte und den Austausch zwischen Eliten aufzeigen. In den vergangenen Jahren bereicherten dreidimensionale Grabrekonstruktionen, die mit Hilfe Geographischer Informationssysteme erstellt worden sind, ihre noch immer anhaltende Erforschung.

Der wikingerzeitliche Seehandelsplatz und Zentralort Haithabu stellt in Verbindung mit dem Danewerk – beide sind seit kurzem UNESCO-Welterbestätten – eine der ältesten Grenzen Nordeuropas dar. Diese Verbindung aus Grenze und Handelsort steht aber auch für Mobilität, Austausch, Handel und Innovation. Als Handelsort ist Haithabu bereits in eine frühe Globalisierungsphase eingebunden, die auf innovativer Schiffsbautechnik basiert und von einer hohen gesellschaftlichen Dynamik getragen wird. Als zentraler Umschlagplatz zwischen den Meeren und zwischen Skandinavien und dem Kontinent führt Schleswig diese Funktion bis in das mittlere Drittel des 13. Jahrhunderts fort. In einem von der VolkswagenStiftung finanzierten Forschungsprojekt wurde erstmals der Übergang von Haithabu nach Schleswig im Verlauf des 11. Jahrhunderts detailliert analysiert. Neues Fundmaterial beider Orte gab hierfür den Anlass.

Faszination Unterwasserarchäologie

Der maritime Charakter des Landes kommt auch durch Funde zum Ausdruck, die durch die Unterwasserarchäologie geborgen wurden. Hierzu zählen die Flintgeräte und hölzernen Aalstecher des mittelsteinzeitlichen Fundplatzes von Strande, der heute in der Ostsee liegt. Vor 7400 Jahren lebten hier Jäger, Fischer und Sammler der so genannten Ertebølle-Kultur. Die kleinen Knochenfragmente von diesem Fundplatz sind die ältesten aus Schleswig-Holstein bekannten menschlichen Überreste.

Zu den bedeutendsten in den vergangenen Jahren durch die Landesarchäologie untersuchten Schiffswracks gehören die „Lindormen“ aus dem 17. Jahrhundert und die „Prinzessan Hedvig Sophia“, die im Großen Nordischen Krieg im frühen 18. Jahrhundert versenkt worden war. Wie die Forschungen zu beiden Schiffen belegen, stehen sie in unmittelbarem Zusammenhang zur Landesgeschichte. Kanonen und ihre Munition, persönliche Gegenstände der Besatzungen und Überreste des täglichen Lebens an Bord führen die neuzeitliche Lebenswirklichkeit in der Enge dieser unbequemen Kriegsschiffe eindrücklich vor Augen.

Diese und andere Objekte fehlen nun in den Vitrinen auf Schloss Gottorf oder werden – frisch restauriert – erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. In Berlin geben sie Kenntnis von Aktivitäten schleswig-holsteinischer Archäologinnen und Archäologen verschiedener Institutionen. Aufgeladen mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung und spannend inszeniert, erlauben sie tiefe Einblicke in unsere Vergangenheit, in der es Grenzen gab, die heute überwunden sind, und andere nicht, die wir heute spüren.

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