Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos - Museum für Archäologie Schloss Gottorf
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Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos

Mit der Sonderausstellung „Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos“ zeigt das Varusschlacht-Museum in Niedersachsen eine komplett neu kuratierte Schau mit mehr als 1.200 hochkarätigen Objekten von zwei außergewöhnlichen Fundplätzen: dem Thorsberger und dem Nydamer Moor. Unzählige Waffen, Ausrüstungsstücke und Alltagsgegenstände wurden dort zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert versenkt. Diese einzigartigen Fundplätze zählen zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas und stellen die Forschung bis heute vor Rätsel. „Wir zeigen Objekte von herausragender Qualität: Die berühmte Thorsberger Maske, aufwändig gestaltete Zierscheiben, ausgesprochen gut erhaltene Waffen wie Pfeil und Bogen, Schwerter und Schilde und sogar Textilien – alles Originalfunde“, freut sich Dr. Stefan Burmeister, Geschäftsführer Varusschlacht im Osnabrücker Land.

Die Funde aus den germanischen Opfermooren Thorsberg und Nydam gehören seit mehr als einhundert Jahren zu den Highlights der Ausstellungen des Museums für Archäologie Schloss Gottorf. „Dass sie im Museum Varusschlacht im Osnabrücker Land in Kalkriese für die Schließzeit von Schloss Gottorf der Öffentlichkeit in dieser ebenso erlebnis- wie erkenntnisreichen Sonderausstellung weiterhin zur Verfügung stehen, ist für uns bereits ein großer Erfolg. Unseren Partnern in Kalkriese und den Kolleginnen und Kollegen unseres Museums danke ich von Herzen für die Umsetzung dieses außergewöhnlichen und einmaligen Ausstellungsprojekts“, so Dr. Ralf Bleile, Direktor des Landesmuseums für Archäologie auf Schloss Gottorf. 

Entdeckung und Erforschung

Mitte des 19. Jahrhunderts erforscht der dänische Altertumsforscher Conrad Engelhardt die Fundplätze im Thorsberger und Nydamer Moor. Dort entdeckte er zahlreiche Waffen und Ausrüstungsteile. Er erkannte früh, dass die im Moor entdeckten Objekte nicht zufällig dorthin gelangt waren. Er war der Überzeugung, dass diese bewusst zerstört und niedergelegt wurden. Weshalb wertvolle Objekte auf diese Weise entsorgt wurden, blieb für ihn jedoch ein Rätsel.

150 Jahre nach Conrad Engelhardt versuchten vier Forschende des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig (heute Leibniz-Zentrum für Archäologie) mit modernen Methoden und frischem Blick, den Funden weitere Geheimnisse zu entlocken. Im Rahmen eines deutsch-dänischen Forschungsprojekts konnten die von Engelhardt ausgegrabenen Funde erstmals wieder vollständig zusammengeführt werden.

Neue Forschungsschwerpunkte haben zu neuen Betrachtungsweise der Moorfunde geführt.

Die Wissenschaftlerin Dr. Nina Lau, Dr. Suzana Matešić und Dr. Ruth Blankenfeldt sowie der Wissenschaftler Dr. Andreas Rau haben sich dem Konvolut angenommen. In einem Forschungsschwerpunkt wurde deutlich, dass die rund zwei Dutzend gefundenen Pferdegeschirre keineswegs in blinder Wut zerstört wurden. Man erkennt, dass diese gezielt und nach festen Mustern zerhackt wurden – wahrscheinlich im Rahmen ritueller Handlungen. Und auch der römische Einfluss bei den gefundenen Objekten wurde genauer unter die Lupe genommen. Die germanischen Krieger trugen nicht nur einheimische Ausrüstung, sondern auch Stücke aus dem Römischen Reich – entweder original oder nachgeahmt. Berühmtestes Beispiel ist die berühmte Thorsberger Maske. Diese Maske ist für die germanische Welt einzigartig. Ihre Vorbilder finden sich in den Parademasken der römischen Armee. Für die Frage nach den persönlichen Ausrüstungen der Krieger standen die kostbaren Prunkstücke, wie Fibeln und Gürtelteile, Schmuck und Gebrauchsgegenstände auf dem Prüfstand. Diese Objekte geben Einblick in die Ausstattung, Mode und den Rang ihrer einstigen Träger. Fibeln und Gürtelschnallen geben Hinweise auf regionale Unterschiede und verschiedene Zeiten. Auch Anhaltspunkte für die Beteiligung von Frauen lassen sich finden. Und immer wieder stellt sich hier die Frage: Wem haben diese Objekte gehört?

Der Exkurs: Opferplatz Kalkriese

Die Ausstellung richtet den Blick auch auf das Schlachtfeld in Kalkriese. Hier stellt sich das Kuratoren-Team die Frage: Was geschah nach der Schlacht mit den Waffen und Ausrüstungsgegenständen der besiegten Legionäre? Bislang hielt sich die These, dass die Germanen nach der Schlacht geplündert haben. Doch auch an vielen Kalkrieser Funden finden sich Zeichen der Zerstörung, Objekte fehlen und Überreste sind stark verstreut. Ein vergleichender Blick mit den Fundplätzen Thorsberg und Nydam lädt zum Nachdenken ein.

WEITER: www.kalkriese-varusschlacht.de

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