Vor 200 Jahren geboren: Conrad Engelhardt, der Entdecker des Nydambootes
In seinen Aufzeichnungen zum 17. August 1863 vermerkte Conrad Engelhardt zu seinem Fund im Nydam-Moor (in deutscher Übersetzung): „In der Mitte des Grabens stießen wir auf den Mittelteil des großen Ruderbootes aus Eichenholz.“ Was mag das für ein Gefühl für den damals kurz vor seinem 38. Geburtstag stehenden dänischen Archäologen gewesen sein? Sicherlich wusste er, dass er einen der außergewöhnlichsten Funde der Archäologie Nordeuropas entdeckt hatte. Bereits 1859 und 1862 hatte er im Nydam-Moor Teile eines Riemens für ein Ruderboot ausgegraben und ahnte, dass möglicherweise ein Bootsfund folgen könnte.
Im September jährt sich Engelhardts Geburtstag zum 200. Mal. Helvig Conrad Christian Engelhardt wurde am 20. September 1825 in Kopenhagen geboren. Als junger Mann arbeitete er zunächst in einem Handelshaus, bevor er von C. J. Thomsen, Direktor des Königlichen Museums Nordischer Altertümer in Kopenhagen, als Privatsekretär angestellt wurde. 1846 begleitete er diesen auf eine lange Reise durch Deutschland und Italien und fand so Interesse an Kunstgeschichte und Archäologie. Zurück in Kopenhagen studierte er und wurde Sprachlehrer. Ab 1851 arbeitete er an der Königlichen Gelehrtenschule zu Flensburg und wurde ab 1852 mit der Verwaltung der Schleswigschen Sammlung Nordischer Alterthümer, auch Flensburger Sammlung genannt, betraut, die in der Schule untergebracht war.
Erste archäologische Ausgrabungen unternahm er 1853 und wurde schnell zu einem der führenden Feldarchäologen Dänemarks. Insbesondere seine auch unter schwierigen Geländebedingungen technisch erfolgreich durchgeführten Ausgrabungen in den Mooren von Thorsberg, Nydam und Kragehul sowie im Vimose sind hier zu nennen. Gleichzeitig erweiterte er die Flensburger Sammlungsbestände erheblich. Während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 floh Engelhardt aus Flensburg nach Kopenhagen. Die Sammlung versuchte er für Dänemark zu retten, indem er sie auf der dänischen Insel Seeland verstecken ließ. Wie im Wiener Friedensvertrag Oktober 1864 bestimmt wurde sie aber später in das Museum vaterländischer Alterthümer in Kiel, das heutige Museum für Archäologie Schloss Gottorf, überführt.
In Kopenhagen arbeitete Engelhardt weiterhin als Lehrer, blieb aber auch archäologisch tätig. 1867 wurde er außerordentlicher Assistent am Museum Nordischer Altertümer und war dort bis zu seinem Tod beschäftigt. Er starb am 11. November 1881 in Kopenhagen.
Aufgrund seiner systematischen Ausgrabungen mit für die Zeit mustergültiger Dokumentation und Publikation gilt Engelhardt als Begründer der Erforschung von Opferplätzen der Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Nordeuropa.
Erfahren Sie mehr zu Conrad Engelhardts Ausgrabungen im Nydam-Moor und besichtigen Sie das Nydamboot. WEITER…