Zeitreise des Monats - Museum für Archäologie Schloss Gottorf
Hinweise für Ihren Besuch

Schloss Gottorf ist aufgrund von Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten geschlossen. Die Schleswiger Museumsinsel bleibt geöffnet. Was Sie bei uns erwartet, erfahren Sie HIER... Der nahe der Museumsinsel gelegene Gottorfer Globus sowie der Barockgarten befinden sich in der Winterpause und öffnen am 2. April 2026 wieder.

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190 Jahre Museum für Archäologie

Zeitreise des Monats 

Anlässlich des 190. Jubiläums des Museums für Archäologie Schloss Gottorf reisen wir in diesem Jahr regelmäßig in die Vergangenheit und stellen Ihnen besondere Funde vor. 

Die Snelle von Haithabu  
1953 wurden im Hafen von Haithabu Schiffsteile geborgen – darunter ein außergewöhnliches Bauteil: die Snelle. Dieses Element, das nur im wikingerzeitlichen Schiffbau belegt ist und aus dem unteren Bereich des Schiffsrumpfes stammt, gehörte zu einem königlichen Langschiff aus dem Jahr 985. Es wurde einst von Harald Blauzahn und seinem Sohn Sven Gabelbart als Kriegsschiff genutzt! Die Snelle weist eine geschwungene flügelartige Form auf und besitzt eine rechteckige Auslassung, die der Aufnahme und Fixierung des Kielschweins von oben über dem eigentlichen Kiel des Schiffes diente. Mit dem der Versteifung der Bordwand dienenden Spant ist die Snelle auf jeder Flügelseite durch zwei eiserne Stifte verbunden. Die Entdeckung dieser Schiffsteile führte 1979 zur vollständigen Ausgrabung des Wracks – ein Meilenstein für die Archäologie! Ohne diesen Fund gäbe es das heutige Wikinger Museum Haithabu vielleicht gar nicht.

Die bislang ältesten Pfeile der Welt...
Als die Tochter des Amateurarchäologen Alfred Rust 2013 den Nachlass ihres Vaters an das Archäologische Landesmuseum gab, rechnete niemand mit einem besonderen Fund. In einem Karton mit Tierknochen aus dem Ahrensburger Tunneltal entdeckte Dr. Sönke Hartz, damaliger Kurator für die Steinzeiten, allerdings eine Zigarettenschachtel mit elf Holzstücken – darunter eines mit eingekerbtem Ende. Genau diese Kerbe in Form eines Schwalbenschwanzes kannte er von den altsteinzeitlichen Pfeilschäften, die Rust in den 1930er Jahren am Fundplatz Stellmoor in besagtem Tunneltal ausgegraben hatte. Sie waren jedoch alle 1944 bei einem Luftangriff auf das Museum vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel verbrannt und nur auf Fotos und Zeichnungen anzuschauen. Plötzlich konnte es doch noch rund 12.000 Jahre alte Schaftfragmente geben! Radiokarbondatierungen an zweien dieser Kiefernhölzer bestätigten die Vermutung. Es sind die bislang ältesten Pfeile der Welt.

Glücklose Grabräuber
Mächtig und reich scheinen die Toten gewesen zu sein, die im Grabhügel von Hüsby, Kr. Schleswig-Flensburg, vor gut 3500 Jahren ihre letzte Ruhe fanden. Kostbarer Goldschmuck und prächtige Waffen aus Bronze wurden ihnen in die Gräber gelegt. Der Schmuck zeigt keine Gebrauchsspuren und verrät so, dass er nie getragen worden ist. Herstellungsspuren deuten darauf hin, dass sogar einige Schritte, wie eine abschließende Politur, eingespart wurden. Aufwendig war die Bauart des einst beeindruckenden Grabhügels der älteren Bronzezeit, der sich nahe am historischen Ochsenweg befindet. Mächtige Steinpackungen schützten die Gräber vor Grabräubern. Einen gescheiterten Versuch, das zentral gelegenen Grab auszurauben, konnten Archäolog*innen bei den Ausgrabungen nachweisen. Sie fanden in den Jahren 2003 und 2004 unter Beteiligung des Museums für Archäologie statt. Die Erforschung und Vermittlung solch spannender Geschichten aus der Vergangenheit ist seit 190 Jahren Aufgabe des Museums für Archäologie.

Publikumsmagnet – Nydamboot
Am 17. August 1863 wurde das Nydamboot durch Helvig Conrad Engelhardt in der Nähe von Øster Sottrup im Nydam-Moor ausgegraben. Mit seiner Größe und Erhaltung ist es ein außergewöhnliches archäologisches Schauobjekt, das in seiner Erhaltung und musealen Ausstellung besondere Anforderungen stellt. Mehrere Museums- und Evakuierungsstandorte hat es erlebt: zunächst ab 1863/1864 in der Königlichen Sammlung nordischer Altertümer in Flensburg, seit 1877 in Kiel im Museum vaterländischer Alterthümer, während des Zweiten Weltkrieges auf einer Schute im Ziegelsee bei Mölln und ab Mai 1947 in der Nydamhalle auf der Gottorfer Schlossinsel. Das Nydamboot ist ein einzigartiges Studienobjekt und Zeugnis für die Erforschung der Schifffahrt während der Römischen Kaiserzeit. Weiterhin gibt es Einblick in gesellschaftliche Verhältnisse und die Mobilität der damaligen Zeit. Als ein besonderer Anziehungspunkt für unsere Gäste, steht es aber genauso für die guten deutsch-dänischen Beziehungen, die auf kulturellem Gebiet vorhanden sind.

Ein bronzener Messerscheidenbeschlag mit kosmologischem Bildprogramm
Inmitten der Stadt Oldenburg in Ostholstein liegt am östlichen Rand eines Moränenhorstes auf der Nordseite des Oldenburger Grabens der größte slawische Burgwall im gesamten westslawischen Siedlungsgebiet. Starigard hieß diese Fürstenburg der slawischen Wagrier vom 8. bis zum 12. Jahrhundert. Sie war Sitz des ersten Bistums auf dem Gebiet der Ostseeslawen und der Chronist Adam von Bremen nannte sie im 10. Jahrhundert eine Meerstadt.
Unser Museum unternahm unter der Leitung von Karl Wilhelm Struve und Ingo Gabriel in den Jahren 1973 bis 1983 Ausgrabungen auf dem Burgwall. Neben den außergewöhnlichen Befunden eines Fürstenhofes und einer Kirche, in der sich das Fürstengräberfeld befand, sticht das geborgene Fundmaterial im Vergleich zu anderen slawischen Burgen heraus. Ein Objekt, das die Forschung besonders beschäftigt, ist dieser so genannte Götterbildbeschlag.
Er war aus Bronze gegossen worden und ursprünglich wohl auf einer Messerscheide montiert. Gefunden wurde er in einer Siedlungsschichte des späten 10. oder frühen 11. Jahrhunderts. Das Bildprogramm der Figuren, bei denen es sich um Pferde, Menschen, eine Götterdarstellung und eine vermutlich göttliche Maske handelt, kann nach Ingo Gabriel wie folgt interpretiert werden: „… Sonnengott Svarog in überragender ` Herrscherpose ´ über den Welten der Lebenden und der Toten, zugleich im Himmelswagen vom Morgen zu Abend segenspendend den Kosmos durcheilend…“. Aber vielleicht haben Sie eine andere Idee, wie der Sinn dieses Beschlags interpretiert werden könnte?

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