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Steinzeit

Alt- und Mittelsteinzeit

Die frühesten Zeugnisse menschlichen Lebens in Schleswig-Holstein stammen vom Neandertaler (Homo Neandertalensis) und sind etwa 60.000-80.000 Jahre alt. Die Faustkeile, Schaber und deren Herstellungsabfälle wie Abschläge und Kernsteine aus Feuerstein wurden bei Drelsdorf und Schalkholz im Westen Schleswig-Holsteins gefunden.

Jäger der Steinzeit - mit Speer und Speerschleuder 

Nach dem Abschmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit vor mehr als 14.000 Jahren wanderten in die Tundrenlandschaft große Herden von Rentieren und Wildpferden ein. Ihnen folgten Gruppen des modernen Menschen (Homo Sapiens), welche sich zu hochspezialisierten Rentierjägern entwickelten.

Zunächst besiedelten Jäger der sogenannten Hamburger Kultur (12.700-11.900 v. Chr.) das Land, die den Rentieren mit Speer und Speerschleuder nachstellten. Ihre Jagdmethode war die Pirschjagd auf ziehende Herden, aus denen man Einzeltiere erlegte.

Die Jäger der sogenannten Ahrensburger Kultur (10.800-9600 v. Chr.) nutzten Pfeil und Bogen, die nach heutiger Kenntnis auch von ihnen entwickelt wurden. Offenbar änderte sich mit den neuen Waffen auch die Jagdmethode. Die Jäger der Ahrensburger Kultur führten Treibjagden durch und machten dabei umfangreiche Beute, wie die über 20.000 Knochen- und Geweihreste vom Fundplatz Stellmoor belegen.

Ab etwa 9600 v. Chr. war die letzte Eiszeit zu Ende. Mit zunehmender Erwärmung breitete sich Wald aus und prägte schließlich vor um 7000 v.Chr. die Landschaft. In der Mittelsteinzeit (9600 - 4100 v. Chr.) lebten die Menschen im Rhythmus der Jahreszeiten von der Jagd, vom Fischfang und vom Sammeln essbarer Pflanzen. Sie lagerten bevorzugt in Gewässernähe oder auf Inseln im See und mieden den dichten Urwald.

An den Ufern eines heute verlandeten Sees bei Duvensee entdeckten Archäologen Lagerplätze mittelsteinzeitlicher Jäger und Sammler. Menschen hatten dort Birken und Kiefern geschält, um Rindenmatten herzustellen, Haselnüsse gesammelt und geröstet, Werkzeuge angefertigt und ihre mitgebrachte Beute verzehrt. Pfeil und Bogen und Harpunen waren die wichtigsten Jagdwaffen. Fische wurden außer mit Netzen und Reusen auch mit Fischstechern und Angelhaken erbeutet.
 
Fischer der Steinzeit - auf Robbenjagd

Am Ende der Mittelsteinzeit bewohnten die Menschen ganzjährig die Meeresküsten von Nord- und Ostsee. Archäologen nennen diesen Zeitabschnitt Erteböllekultur (5500-4100 v. Chr.) nach einem Fundplatz in Dänemark. Die Ertebölle-Leute waren geschickte Jäger, die mit Pfeil und Bogen oder Speeren Rothirsche, Wildschweine und Rehe erbeuteten. Außerdem wurde das Meer als nahezu unerschöpfliche Nahrungsquelle erschlossen: mit Geweihharpunen machte man Jagd auf Robben und Seehunde, die große wirtschaftliche Bedeutung des Fischfanges kennzeichnen Fischzäune, Reusenanlagen und Aalstecher.

Wichtige Neuerungen in der Erteböllekultur sind Gefäße aus Ton zur Nahrungszubereitung. In der Spätphase um 4100 v. Chr. gibt es erste Hinweise auf Nutztierhaltung und Getreideanbau, die allerdings als Ernährungsgrundlage eine untergeordnete Rolle spielten. Importäxte und -beile aus exotischen Gesteinen zeugen von Kontakt- und Austauschnetzen mit benachbarten Bauernkulturen im Süden.

Jungsteinzeit - Kultur der ersten Bauern

Seit der Mitte des 5. Jahrtausends nehmen Einflüsse südlicher Bauernkulturen im norddeutschen Flachland zu. Dies führt zu einem zunächst nur zögerlichen Wandel der Wirtschafts- und Lebensweise. Um 4.000 v.Chr. endet im Norden die Welt der Jäger, Sammler und Fischer.

In der Jungsteinzeit bilden Ackerbau und Viehzucht die elementare Nahrungsversorgung, die alte Verbundenheit mit der natürlichen Umwelt verschwindet nach und nach und die angeeignete Lebensweise wird aufgegeben. Erste Metalle gelangen als Tauschwaren oder Geschenke in den Norden und belegen überregionale Kontakte. Qualitätsvoller Feuerstein scheint in größerem Umfang gehandelt worden zu sein.

Die ältesten Wagenspuren zeugen von der Nutzung zweirädriger Karren zum Transport von Lasten. Der Bau monumentaler überhügelter Megalithgräber und riesiger befestigter Anlagen, sogenannter Erdwerke, zeigt die Bedeutung der Sesshaftigkeit. Der Bau der Großsteingräber sowie die Deponierung von Opfern scheinen überwiegend Gemeinschaftsleistungen gewesen zu sein. Das Individuum tritt ganz hinter die Gruppe zurück. Erst gegen Mitte der Jungsteinzeit, um 2.600 v. Chr., dominieren Einzelgräber in kleinen Grabhügeln.

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